Somatische Stammzellen nach labortechnischer Reinigung und Anreicherung
In den letzten Jahren hielt eine Vielzahl neuer Therapieverfahren Einzug in die Pferdeheilkunde. Eine dieser neuen Therapien ist die Stammzellentherapie bei Sehnen-, Band- und Gelenkschäden beim Pferd.
Im Regelfall handelt es sich in der Veterinärmedizin um die Anwendung autologer multipotenter Zellen aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe und nicht um die ethisch umstrittene Anzüchtung und genetische Veränderung embryonaler Stammzellen.
Spezielle Ultraschalluntersuchungen ermöglichen eine verbesserte Diagnostik auch an schlecht zugänglichen Stellen
Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht ausdifferenziert sind. Sie liegen noch nicht in einer Form vor, die sie für ihre Verwendung im Organismus spezialisiert (z.B. Muskelzellen, Knochenzellen). Ihre spätere Verwendung ist noch offen. Über das jeweilige Schicksal der Zelle entscheidet die Umgebung, in der sie sich befindet.
Nach ihrer Herkunft unterscheidet man zwei Kategorien von Stammzellen:
Embryonale Stammzellen sind in vitro (außerhalb des Körpers) vermehrbare Zellen aus Blastocysten von Säugetieren. Sie bilden im Embryo die Vorläufer für sämtliche Körperzellen. Sie können als undifferenzierte Zellen im Prinzip unbegrenzt vermehrt werden.
Adulte (=somatische) Stammzellen sind im Körper nach der Geburt vorhanden. Aus diesen Zellen werden während der gesamten Lebensdauer des Organismus neue spezialisierte Zellen gebildet. Sie haben aber im Vergleich zu embryonalen Stammzellen ein etwas geringeres Selbsterneuerungsvermögen und ein eingeschränkteres Potential sich zu differenzieren. Somatische Stammzellen befinden sich z.B. im Knochenmark, in der Leber, im Gehirn und in erstaunlich hoher Konzentration im Fettgewebe.
Diese Zellen sind also in jedem Lebewesen verfügbar und ermöglichen den Einsatz autologer (=körpereigner) Zellen bei unterschiedlichsten Erkrankungen (z.B. in der Humanmedizin bei der Behandlung der Leukämie).
Noch vor einigen Jahren waren zur Therapie von Sehnenschäden nur die Injektion von Hyaluronsäure in das erkrankte Fasergewebe oder die Implantation spezieller Faserbänder bekannt. Diese Therapien haben sich jedoch nicht dauerhaft durchgesetzt bzw. zeigten häufig nicht den erwünschten Erfolg.
Beim Patienten Pferd erfolgt jetzt seit ca. drei Jahren eine Übertragung autologen Knochenmarks bei chronischen Tendinitiden (Sehnenerkrankungen) und Insertiondesmopatien (Entzündungen und Sehnenfaseranrisse an den Orten, an denen Sehnen am Knochen ansetzen). Diese Therapie erbringt vielfach gute Erfolge und gibt zur Hoffnung Anlass, dass eine Konzentration dieser Stammzellen diese Ergebnisse noch verbessern könnte. Nur etwa 0,001%- 0,01% der kernhaltigen Zellen im unaufbereiteten Knochenmark sind multipotente Zellen (Stammzellen).
Nunmehr sind wir in der Lage diesen Therapieansatz noch wesentlich zu verbessern.
